Zum Abschluss der Saison noch etwas Besonderes, das war die Teilnahme am 05.10. am Rheinmarathon. Gerudert werden da exakt 42,8 Kilometer, von Leverkusen nach Düsseldorf. 

Meine Mannschaft bestand aus Jochen Heusel und Karen Conrad (Stfr.), beide vom Tübinger Ruderverein, Philipp Kritzler vom Ruderclub Lindau, Mathieu Bonnier „Erfinder“ der Liteboats, und mir, Philipp Bauer, RVW.

Während Jochen und Karen 2017 bereits am Rheinmarathon teilgenommen hatten, und sie wussten, was auf sie zukam, hatten wir drei anderen keine genauen Vorstellungen wie und was, deshalb war unser Plan „der Weg ist das Ziel“.

Zum ersten Mal in der Besatzung zusammen legten wir ab, fuhren noch ca. 20 Schläge vom Steg weg, wendeten und ruderten los über die Startlinie hinweg. Gestartet wurde ungefähr im ein bis zwei Minutentakt. Die ersten paar Kilometer legte unser Schlagmann Jochen gleich eine für diese Verhältnisse hohe Schlagzahl vor. Das Boot lief von Beginn an super. Zum einen lag das am Boot selber, einem LiteQuattro Boat, vergleichbar mit einem Renngigboot. Zum anderen aber auch war zu spüren, dass hier erfahrene Ruderer, alte Hasen am Werk sind, die sich nicht lange einfahren müssen. Mathieu, als einziger Nichtrennruderer, passte sich dem Schlag, Rhythmus und Tempo sofort optimal an, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die er während seiner Atlantiküberquerung und dem Rudern im Eis der Nordwestpassage gesammelt hat.

Trotz Strömung dauerte es ungefähr 10 Kilometer, bis wir das erste Boot überholen konnten. Kurz zuvor fingen wir uns zwei Wellen von einem entgegenkommenden Lastkahn ein, der unser Boot deutlich mit Wasser füllte. Dank der Lenzklappentechnik des Bootes waren wir nach ca. 20 Schlägen das Wasser wieder los und konnten uns auf die Jagd nach weiteren, vor uns gestarteten Booten machen. 

Immer wieder kam es vor, dass wir uns zwischen einem überholenden und einem entgegenkommenden Lastkahn reichlich klein vorkommend wiederfanden. Zum Glück waren die Wellen dieser Boote oft nicht alle so groß, wie die ersten, die wir abbekommen haben, und unsere Steuerfrau eine mutige und sichere Lenkerin.

Einen solchen Schlepper zu überholen gelang uns auch, nach ca. 20 Kilometern. Doch daran waren wir nicht sonderlich interessiert, die anderen einzuholen, und letztlich zu überholen wurde immer attraktiver für uns. Und so ruderten wir beherzt Kilometer um Kilometer immer wieder andere Mannschaften überholend den Rhein hinunter. Auf den letzten 8 Kilometern versuchte uns unsere Steuerfrau noch besonders zu motivieren, dran zu bleiben, nicht einzubrechen bzw. noch mal etwas Tempo aufzunehmen, indem sie uns die Kilometer ansagte. Für einen Moment machte ich mir an der Stelle Gedanken darüber, wie weit es noch ist, verwarf ihn aber schnell wieder, vor dem Hintergrund, dass bei uns ja 8 Kilometer eine ganze Trainingseinheit darstellen.

Kurz vor dem Ziel, bei ca. 350m war, zumindest bei mir die Zeit für den Endspurt gekommen. Auch die anderen legten sich die letzten Schläge noch einmal ins Zeug, und dann ertönte endlich die Zielsirene. Erschöpft, aber zufrieden, legten wir am Steg an, ließen unser Boot hoch tragen und gingen erst einmal heiß duschen. Ziemlich nass waren wir durch das Wellenfangen alle.

Noch zufriedener wurden unsere Gesichter, als wir bei den Ergebnissen sahen, dass wir mit unserer Zeit Erster in unserer Abteilung (Männer-Gig-Doppelvierer m. Stm. (Masters D), MDA 50) geworden sind, das i-Tüpfelchen eines bis dahin bereits tollen Erlebnisses.

In der Sonderwertung: Schnellstes deutsches Nicht-Rhein Boot belegten wir hinter dem Boot aus Canstatt den zweiten Platz, und in der Gesamtwertung erreichten wir mit unserer Zeit Platz 19 von 169 gestarteten Booten.

Ehrlich gesagt, weiß ich bis heute noch nicht so genau, wie ich das geschafft habe, 2 Stunden und knapp 23 Minuten durchaus schnell am Stück zu rudern und dabei fast 43 Kilometer zurückzulegen. Um das herauszufinden möchte ich nächstes Jahr gerne wieder (unbedingt) an den Start gehen. 

Mit den besten rudersportlichen Grüßen

Philipp Bauer